Rabenschwarzer Nachmittag noch mit Punkt belohnt

In der Tissot Arena erlebten 715 Zuschauer bei prächtiger Kulisse und toller Stimmung auf den Rängen ein emotionales Wechselbad der Gefühle.

Der FC Besa Biel kämpfte sich in einer wilden Schlussphase von einem 0:2-Rückstand zurück und rettete in der 4. Minute der Nachspielzeit durch Yassine Bouazzi noch das verdiente 2:2-Unentschieden gegen SR Delémont.

Die erste Halbzeit verlief aus Sicht der Hausherren enttäuschend. Besa agierte passiv und harmlos, während die Gäste aus Delémont – die auf ihren rotgesperrten Trainer verzichten mussten, der jedoch von der Pressetribüne aus per Handy mit der Bank kommunizierte – das Spiel bestimmten. Bereits in der 9. Minute setzte Jatta nach einem Ballverlust im Mittelfeld zum ersten Warnschuss an, sein Abschluss flog knapp vorbei.
Die erste nennenswerte Torchance für Besa gab es in der 14. Minute: Christian Mourelle zirkelte einen Freistoss aus dem Halbfeld genau auf Hamidi, dessen Versuch aber in den Armen von Torhüter Zaugg landete. Danach folgte die verdiente Strafe für die Passivität: In der 23. Minute nutzte Delémont Abstimmungsprobleme zwischen Bracher und Kracke eiskalt aus. Camara stibitzte den Ball, flankte präzise auf Jatta, der aus fünf Metern freistehend nur noch einköpfen musste – 0:1.

Delémont blieb tonangebend, ohne jedoch weitere Chancen zu kreieren. In der 41. Minute köpfte Florent Hushi nach einem Freistoss von Bruder Robin in die Arme von Bracher. Die erste Halbzeit der Skrzypczak-Elf blieb unerklärlich schwach.

Zur Pause reagierte Trainer Skrzypczak mit einem Doppeltausch: Luciano für Hamidi und Maksuti für Osmanovic sollten mehr Schwung bringen. Dennoch blieb das Spiel zäh. Delémont unterbrach den Spielfluss immer wieder geschickt – nach jedem Körperkontakt liessen sich die Gäste mehrere Sekunden auf dem Boden liegen und suchten Behandlung, was den Rhythmus der Partie zusätzlich zerstörte.
In der 49. Minute zischte ein strammer Schuss von Hushi aus 22 Metern knapp vorbei. Besa steigerte sich allmählich, Bouazzi zeigte in Hälfte zwei eine klare Leistungssteigerung. In der 77. Minute vergab er jedoch die riesige Chance zum Ausgleich: Nach Ballverlust von Zaugg bei der Spieleröffnung sprintete Bouazzi herbei, Celik setzte nach, Sheholli legte quer – doch aus sieben Metern schoss Bouazzi knapp neben das Tor. Es hätte das 1:1 sein müssen.

In der 81. Minute traf Bouazzi per Kopfball nach Freistoss von Celik nur die Latte – Besa wollte das Remis nun mit Vehemenz. Stattdessen schlug Delémont in der 85. Minute entgegen dem Spielverlauf zu: Nach einer geklärten Flanke von Toumi legte sich Florent Hushi den Ball aus 25 Metern zurecht und zog trocken unhaltbar ab – 0:2. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Delémont bis auf ganz wenige Aktionen im gesamten Spiel kaum nennenswerte Offensivaktionen gezeigt.

Besa war nun um Schadensbegrenzung bemüht – und wurde belohnt. In der 88. Minute traf Neuzugang Kenneth Kabuya mit seinem ersten Torschuss für Besa sehenswert unter die Latte zum 1:2-Anschluss. Die letzten Minuten wurden hektisch: Schiedsrichter Hürlimann liess wegen vieler Unterbrechungen, des Schauspiels der Gäste und verletzungsbedingter Wechsel mehrere Minuten nachspielen.
In der 4. Minute der Nachspielzeit kam der erlösende Moment: Sheholli reagierte blitzschnell auf eine Abseitsstellung von Delémont und spielte direkt zu Luciano. Dieser servierte einen herrlichen Aussenriss-Pass in die Tiefe auf Bouazzi, der Zaugg überspielte und mit links zum 2:2 einschob. Im ausgelassenen Jubel zog er sein Trikot aus, kassierte die 4. gelbe Karte und wird somit in Wohlen gesperrt sein – in diesem Moment war es ihm sicher egal. Es war Bouazzis Premierentor im Besa-Dress und gleichzeitig der Punktgewinn nach einem rabenschwarzen Nachmittag bis fünf Minuten vor Schluss.

Fazit: Bis zur 88. Minute sah alles nach einer unverzeihlichen Niederlage aus – Besa spielte oft mit dem Kopf durch die Wand und fand gegen die clever agierenden Gäste lange kein Durchkommen. Die wilde Schlussphase mit zwei späten Toren rettete jedoch einen wichtigen Punkt. Nach dem Spiel legten die Delémont-Verantwortlichen sogar Protest ein, da sie das zweite Tor für irregulär hielten.

Meisterschaft – 1. Liga

FC Besa Biel – SR Delémont 2:2 (0:1).
Tissot Arena. – 715 Zuschauer. – SR: Hürlimann.

Tore: 0:1 Jatta (23.), 0:2 F. Hushi (85.), 1:2 Kabuya (88.), 2:2 Bouazzi (90.+4).

FC Besa Biel: Bracher – Kracke, Preite (30. Dakaj), Aliu, Simmen – Sheholli, Mourelle (63. N. Doutaz) – Hamidi (46. Luciano), Osmanovic (46. Maksuti, 57. Kabuya), Celik – Bouazzi.

SR Delémont: Zaugg – Martella, Géraud, Baume, Camara (88. Rodrigues Conceicao) – F. Hushi, Assmy – Florido (57. Regaïa), R. Hushi (68. Ferreira Da Silva) – Boukaoui (46. F. Toumi), Jatta.

Bemerkungen: Besa ohne Berger, Doutaz, Jakob (alle verletzt), Cani, Halilaj, Hofer, Kurtishaj (alle nicht im Aufgebot).
Karten: 63. Dakaj (gelb, Foul), 81. Géraud (gelb, Zeitspiel), 90.+4 Bouazzi (gelb, Trikot ausziehen).

Foto: Marco Bracher (Instagram: @marco_bracher_photography)

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