Die Schande von Courtételle
In einem Spiel, das anfangs noch wie Fussball aussah, nahm die Partie zwischen dem FC Courtételle und dem FC Besa Biel zunehmend eine groteske Wendung an.
Was als faire Auseinandersetzung in der 1. Liga Classic begann, endete in einer Enttäuschung, die den Namen “Schande von Courtételle” verdient. Besa zeigte starke Phasen, erzielte ein Traumtor und erlebte eine emotionale Achterbahn, jedoch am Ende durch entscheidende Wendungen im Spielverlauf und unsportliches Verhalten des Gegners um den Lohn gebracht zu werden. Die 320 Zuschauer am Centre Sportif wurden Zeugen eines Dramas, das Fairplay und Respekt mit Füssen trat. Am Schluss siegte Courtételle mit 2:1, dank eines Tores tief in der Nachspielzeit, doch der wahre Verlierer war der Fussball selbst.
Der Spielverlauf: Von der Dominanz zur Farce
Zu Beginn neutralisierten sich beide Teams weitgehend. Courtételle liess Besa den Ball und verteidigte geschickt die Räume im Mittelfeld. In der 12. Minute kam es zu einer kritischen Situation vor dem Tor von Besa: Eine Flanke von rechts erreichte Stadelmann am zweiten Pfosten ungehindert, doch sein Kopfball traf nur den Pfosten und der Nachschuss wurde abgeblockt.
Besa steigerte sich allmählich. In der 19. Minute lieferte Hamidi eine gute Flanke von rechts, die Mourelle per Kopfball knapp neben das Tor setzte. Nur eine Minute später (20.) gewann der wendige und kaum zu kontrollierende Casano einen Zweikampf gegen Kracke und zog vom Eck des Sechzehners ab – der Schuss ging denkbar knapp vorbei. Die Erlösung für Besa folgte in der 31. Minute: Sheholli spielte einen präzisen Pass zu Hamidi, der den Ball gekonnt annahm und aus 30 Metern unhaltbar ins Netz drosch – ein Torjäger-Tor par excellence, das als Bewerbung für das “Tor des Monats” taugte. Torwart Sissé war zu weit draussen und konnte den Ball nicht abwehren. Leider verletzte sich Hamidi bei der Schussabgabe, als ein Gegenspieler unglücklich auf seinen Knöchel trat. Er musste in der 36. Minute ausgewechselt werden; Celik kam für ihn und übernahm nahtlos seine Position.
Besa hätte sogar erhöhen können – ja, müssen: In derselben Phase flog Bangouras Schuss nach einer Flanke von Kracke über das Tor. Knapp vor der Halbzeitpause (45.) verpasste Luciano die Vorentscheidung. Halilaj verlängerte einen Ball per Kopf mustergültig zu Luciano, der einen Gegenspieler umdribbelte, doch Sissé parierte glänzend. Zur Pause stand es 0:1 für Besa – verdient, doch das Spiel war noch offen.
In der zweiten Halbzeit blieb Besa am Drücker. In der 57. Minute hatte Bangoura erneut die Führung auf dem Fuss: Nach einem tollen Pass von Sheholli traf er den Ball mit der Pike, doch der Schuss streifte den Aussenpfosten. Courtételle blieb so im Spiel – bis die 61. Minute alles auf den Kopf stellte: eine Aktion, die als Inbegriff der Unsportlichkeit in die Annalen eingehen wird. Halilaj spielte den Ball fair ins Aus, da ein Courtételle-Spieler am Boden lag – obwohl Besa hätte weitermachen können. Den Einwurf nutzte Courtételle aus: Bevor Tebib den Ball erreichte, wurde er attackiert und der verdutzte Rossé traf – auch zu seiner eigenen Überraschung – zum 1:1, angefeuert von Zurufen des Trainers. Frust und Unglaube bei Besa – so etwas verstösst gegen jeden Fairplay-Geist. Statt den Ausgleich rückgängig zu machen, spielte Courtételle weiter. Ab hier wurde die Partie zunehmend hitziger.
Die Emotionen kochten hoch. In der 68. Minute foulte ein Gegner Mourelle und in der anschliessenden Aktion (69.) kassierte Jeker für ein Foul an Halilaj folgerichtig Gelb. In der 78. Minute brachte jener Ducommun-dit-Boudry – der für seinen hinterhältigen Schlag an Halilaj (70.) hätte vom Platz fliegen müssen – Celik mit einem Foul zu Fall, was ihm Gelb einbrachte. Weitere Karten folgten: Celik (80., taktisches Foul), Mottaz (88., Foul), Berger (90., Foul). In der 90.+9 Minute fiel der Siegtreffer: Periat traf zum 2:1 für Courtételle. Preite kassierte in der 90.+10 Gelb-Rot für ein Foul und nach Spielschluss bekam Maksuti Rot für Unsportlichkeit, als er aus Frust gegen die Spielerbank schlug.
Der Trainer von Courtételle: Marque, der Unfaire
Trainer Marque ist bekannt dafür, dass ihm jedes Mittel recht ist. Er animierte seinen Angreifer in der 61. Minute, den Torwart unter Druck zu setzen und spielte danach das Unschuldslamm, die Szene nicht gesehen zu haben. Im Hinspiel der letzten Saison war er wegen einer Unsportlichkeit gegen uns noch gesperrt. Sein Kapitän Tom Villemin sagte nach dem Spiel gegenüber RFJ: “Am Schluss der Saison ist es egal, wie man die Punkte geholt hat.” Ein wahrhaft “traumhafter” Kapitän – einen solchen Mitspieler wünscht sich niemand.
Die Atmosphäre: Provokationen und Polizei
Immer wieder Courtételle: Letztes Jahr Beleidigungen von den “Fans”, in dieser Saison Provokationen ab Minute eins. Die Zurufe wurden von unseren Spielern professionell weggelächelt und Hamidis Tor machte sie mundtot. Doch als Spieler fühlt man sich unwohl und fürchtet um die Sicherheit. Apropos Sicherheit: In den Schlussminuten rief vermutlich der Präsident der Heimmannschaft die Polizei, die provokativ mit zwei Fahrzeugen vor dem Stadion parkte und sich unter die Zuschauer mischte – in einem Spiel, das ausser Nichtigkeiten nichts Dramatisches bot. Warum dann das Polizeiaufgebot? Das bleibt Courtételles Geheimnis.
Fazit: Eine schmerzhafte Niederlage für Besa
Der FC Besa, der stets mit Respekt, Fairness und Freude am Spiel antritt, fühlt sich nach diesem Spiel enttäuscht. Die Mannschaft gab alles mit Leidenschaft, doch Courtételle hatte diesen einen Tag, an dem sie den Sieg in der Nachspielzeit holten. Es hätte 0:1 oder 0:2 enden sollen, natürlich für uns, wie letzte Saison – und es wäre ein ordentliches Wochenende für alle geworden. Stattdessen endete es in einer schmerzhaften Niederlage. Besa wird sich weiterhin auf seine Werte besinnen und blickt nach vorne. Auf zur nächsten Partie – mit derselben Leidenschaft!
Meisterschaft – 1. Liga
FC Courtételle – FC Besa Biel 2:1 (0:1).
Centre Sportif, Courtételle. – 320 Zuschauer. – SR: Wyss.
Tore: 0:1 Hamidi (31.), 1:1 Rossé (61.), 2:1 Periat (90.+9).
FC Courtételle: Sissé – Villemin, Mottaz, Ducommun-dit-Boudry, Endé (77. Jaggi) – Coelho – Ducommun (54. Periat), Jeker (74. Diaby) – Casano, Eschmann (46. Rossé), Stadelmann.
FC Besa Biel: Tebib – Doutaz, Preite, Berger, Kracke – Sheholli, Mourelle – Hamidi (36. Celik), Halilaj, Luciano (71. Nushi) – Bangoura (86. Maksuti).
Bemerkungen: Besa ohne Bouazzi (gesperrt), Dakaj, Kurtishaj, Toumi (alle 2. Mannschaft), Karimi (Rekonvaleszent), Mushkolaj, Rexhaj (nicht im Aufgebot), Osmanovic (verletzt). Hamidi verletzt ausgewechselt (36.).
Karten: 45. Preite (gelb, taktisches Foul), 68. Wilkins (gelb, Ballwegschlagen), 69. Bangoura (gelb, Unsportlichkeit), 70. Jeker (gelb, Foul), 70. Halilaj (rot, Tätlichkeit), 73. Sheholli (gelb, Foul), 78. Ducommun (gelb, Foul), 80. Celik (gelb, taktisches Foul), 88. Mottaz (gelb, Foul), 90. Berger (gelb, Foul), 90.+10 Preite (gelb-rot, Foul), Nach Spielende Maksuti (rot, Unsportlichkeit).
Bild: Bist/Stéphane Gerber