Bittere 6:3-Klatsche in Wohlen
Es gibt Gegner, die liegen einem einfach nicht. Egal, wie sehr man sich bemüht, wie intensiv man trainiert oder wie sehr man den Matchplan verinnerlicht hat – gegen den FC Wohlen scheint kein Kraut gewachsen zu sein.
Der ehemalige Challenge-League-Vertreter, der inzwischen in der 1. Liga Classic um Punkte kämpft, hat sich für unsere Mannen zu einem echten Angstgegner entwickelt. Nach der 2:4-Niederlage in der Vorrunde (damals nach 1:0-Halbzeitführung noch verloren) setzte es am Samstagnachmittag im Stadion Niedermatten eine deutliche 3:6-Klatsche – und das, obwohl Besa phasenweise keineswegs chancenlos war.
Schon in der Anfangsphase zog Wohlen den Gästen aus Biel den Zahn. Bereits nach vier Minuten flankte der überragende Mann des Spiels, Dalvand, nach einer starken Einzelaktion von links präzise in die Mitte, wo der mit aufgerückte Linksverteidiger Senyurt (Aarau-Leihgabe) goldrichtig stand und zum 1:0 einschob. Die nach dem Ausfall von Abwehrchef Aron Preite neu formierte Besa-Abwehr wirkte noch unsortiert – und das rächte sich sofort. Nur drei Minuten später (7.) kombinierte Sissoko mit Romano per Doppelpass, lancierte Dalvand mustergültig in die Tiefe und der Mittelfeldakteur vollstreckte eiskalt zum 2:0. Ein Start nach Mass für die Freiämter, ein Schockmoment uns.
Besa antwortete prompt: In der 9. Minute konnte Wohlen-Keeper Bonorand einen scharfen Sheholli-Freistoss aus 17 Metern nicht festhalten, Osmanovic reagierte am schnellsten und stellte auf 1:2. Hoffnung keimte auf – doch die hielt nur kurz. In der 11. Minute parierte Bracher erst einen präzisen Freistoss von Dalvand, dann sensationell den Nachschuss von Gjini. Und als in der 20. Minute die Besa-Spieler nach einem vermeintlichen Celik-Treffer erneut jubelten, hob Linienrichter Schmid die Fahne: Abseits bei der Schussabgabe von Osmanovic. Eine Entscheidung, die ausser ihm niemand gesehen hatte – sehr zum Leidwesen von Besa, denn das 2:2 hätte das Spiel mit hoher Wahrscheinlichkeit komplett auf den Kopf gestellt.
Stattdessen blieb es ein wildes Hin und Her, bei dem fast jeder Abschluss gefährlich wurde. In der 28. Minute köpfte Gjini nach Dalvands Halbfeld-Freistoss Bracher an und der Ball ging am Tor vorbei, doch eine Minute später (29.) schlug Wohlen erneut zu: Besa versuchte spielerisch aus dem eigenem Strafraum herauszukommen, geriet aber ins Pressing von Dalvand. Der eroberte den Ball, legte uneigennützig quer auf Sissoko – 3:1. Bitterer Rückschlag, doch Besa steckte nicht auf: Hamidis Freistoss von der Seite (32.) landete auf den Rücken von Aliu und flatterte von da aus als Bogenlampe über Bonorand ins Tor – 3:2!
Für neutrale Zuschauer hatte sich der Eintritt bisher gelohnt – fünf Tore in knapp 30 Minute. Für Besa-Fans war es purer Nervenkitzel. Kurz vor der Pause (39.) kombinierte sich Wohlen erneut per Doppelpass durch: Sissoko auf Dalvand – 4:2. Der Pausenstand war mehr als verdient für die Heimischen, die in Person von Sissoko und Dalvand (je 2 Tore und 2 Vorlagen) einen überragenden Tag erwischten.
Nach dem Seitenwechsel kam sofort neue Hoffnung: Aliu traf nach einem Eckball Hamidis aus dem Gewühl im Fünfmeterraum zum 4:3 (47.). In der Halbzeit hatte Trainer Skrzypczak reagiert und Bracher, Jakob, Holzer sowie den verletzten Luciano durch Greub, Dakaj, N. Doutaz und Kabuya ersetzt. Besa wurde nun druckvoller, der Gegner konnte sich nicht mehr so leicht entfalten. Doch in einer Bieler Druckphase patzte Dakaj bei einem Klärungsversuch im Strafraum unglücklich mit der Hand – Elfmeter. Sissoko verwandelte sicher zum 5:3 (75.).
Besa warf in der Schlussphase alles nach vorne, doch Wohlen blieb gefährlich. In der 91. Minute drückte der eingewechselte Komatovic einen abgewehrten Ball Greubs zum 6:3-Endstand über die Linie.
Fazit: Die 3:6-Niederlage geht in dieser Höhe in Ordnung, weil Wohlen die sich bietenden Räume eiskalt nutzte und Besa in entscheidenden Momenten zu fehlerhaft agierte. Dennoch war Besa keineswegs drei Tore schlechter. Gegen einen Gegner, der uns einfach nicht liegt, fehlte von Beginn an die nötige Konzentration, Aufsässigkeit und Zweikampfhärte. Dalvand war omnipräsent, ohne dass wir ein probates Mittel fanden, ihn aus dem Spiel zu nehmen. Auch in der vierten Rückrundenpartie blieb der ersehnte Sieg erneut aus – gegen einen Angstgegner, der ohne seine Identifikationsfigur Pnishi trotzdem zu leicht zum Sieg fand.
Schiedsrichter Murati leitete das Spiel tadellos und souverän – die strittige Abseitsentscheidung in der 20. Minute bleibt aber ein kleiner Wermutstropfen in einem ansonsten sehr guten Unparteiischen-Auftritt.
Es gilt, die Lehren zu ziehen und in den nächsten Spielen wieder mit mehr Ernsthaftigkeit und Cleverness aufzutreten. Nur so wird man gegen solche “unliebsamen” Kontrahenten endlich punkten können.
Meisterschaft – 1. Liga
FC Wohlen – FC Besa Biel 6:3 (4:2).
Stadion Niedermatten, Wohlen. – 222 Zuschauer. – SR: Murati.
Tore: 1:0 Senyurt (4.), 2:0 Dalvand (7.), 2:1 Osmanovic (9.), 3:1 Sissoko (29.), 3:2 Aliu (32.), 4:2 Dalvand (39.), 4:3 Aliu (47.), 5:3 Sissoko (75., Elfmeter), 6:3 Komatovic (90.+1).
FC Wohlen: Bonorand – Golaj, Brunner, Soares, Senyurt – Weber – Romano (71. Gabathuler), Dalvand (82. Sinani), Peter (82. Yilmaz), Gjini (60. Komatovic) – Sissoko (82. Dzelili).
FC Besa Biel: Bracher (46. Greub) – Kracke, Aliu, Jakob (46. Dakaj), Simmen – Holzer (46. N. Doutaz) – Sheholli, Osmanovic (72. Hofer) – Hamidi, Celik, Luciano (46. Kabuya).
Bemerkungen: Besa ohne Berger, Doutaz, Maksuti, Mourelle, Preite (alle verletzt), Bouazzi (gesperrt), Cani (krank), Halilaj (nicht im Aufgebot).
Karten: 45. Peter (gelb, Foul), 47. Celik (gelb, Foul), 55. Kracke (gelb, taktisches Foul), 56. N. Doutaz (gelb, Foul), 87. Dzelili (gelb, Unsportlichkeit).
Foto: MK Photography (Instagram: @mk_phtgrphy_)